Geschichte live an der GAZ

zz 003Für viele ältere Zeitgenossen ist sie noch präsent – Jutta Fleck, die Frau vom Checkpoint Charlie, die Anfang der 80-er Jahre mit ihren Aktionen am ehemaligen Berliner Grenzübergang für Aufsehen sorgte und den Machthabern der DDR gehörig auf die Nerven ging. Rene Beck, Geschichtslehrer an der GAZ, hatte jetzt zum zweiten Mal Fleck mit ihrer Tochter Beate Gallus an die Reichelsheimer Schule eingeladen

zz 004und für den 28. Mai eine dreistündige Veranstaltung für alle 10. Klassen und die 9. Hauptschulklasse organisiert. Beck begrüßte gemeinsam mit Laura Zieres als Vertreterin der Schulleitung SchülerInnen und Gäste zu dieser Zeitzeugenveranstaltung im Zeichen der DDR-Geschichte.
Nach einem Film mit Interviews von Inhaftierten und Aufsehern aus dem Stasi-Gefängnis Hoheneck kam zunächst Jutta Fleck, die „Frau vom Checkpoint Charlie“, zu Wort. Als die Ausreiseanträge der Dresdnerin Fleck immer wieder unbeantwortet geblieben waren, unternahm sie 1982 mit ihren beiden Töchtern Beate und Claudia eine Urlaubsreise, um über Jugoslawien in die BRD flüchten zu können. Die Familie wurde jedoch bespitzelt, wie sie nach Einsicht in ihre Stasi-zz 005Akte vor wenigen Jahren erfahren hatte. Die Reisenden gerieten ins Visier der Staatssicherheit, ihre Flucht misslang. Fleck wurde in einem Frauengefängnis in Ost-Berlin inhaftiert, was sie den gespannten Zuhörenden eindrucksvoll schilderte. Die Perspektive der beiden Töchter präsentierte Beate Gallus, die mit ihrer Schwester in einem Kinderheim landete. Sie bot dem Publikum einen Einblick in den DDR-Alltag als Schülerin und Teenager. Mit berührenden Worten verdeutlichte sie, wie sie von ihrem Umfeld gebrandmarkt wurde und erklärte, welche Bedeutung Meinungsfreiheit damals und heute besitzt.
Schließlich wurde Jutta Fleck 1984 von der BRD freigekauft und machte fortan am Berliner Grenzübergang „Checkpoint Charlie“ Politiker und Prominente auf das Schicksal ihrer getrennt lebenden Familie aufmerksam. In einem Filmbeitrag wurden ihre Protestaktionen, Gespräche beim Papst und im Bundestag bis hin zum glücklichen Wiedersehen der drei Familienmitglieder im Jahr 1988 demonstriert.
zz 006„Fragt nach; seid kritisch.“Mit diesem Appell und mit einer Warnung vor einer Wiederholung dieses Teils der Geschichte richteten sich Mutter und Tochter an die jungen OdenwälderInnen. „Seid mutig, tretet für eure Ziele und Träume ein, auch ohne Waffen kann man etwas erreichen.“ Mucksmäuschenstill war es nicht nur bei diesen Worten, die Schülerinnen und Schüler der GAZ waren tief beeindruckt von dem Mut und dem Durchhaltevermögen der beiden Frauen und lernten einen Teil der deutschen Geschichte auf einprägsame Art kennen, wie sie nach der Veranstaltung äußerten.

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